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Verein Nordhäuser Ornithologen e. V.

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Ein Rückkehrer mit Biss - Der Biber ist zurück

Beamer-Vortrag von Peter Höhns

A - H - A
Nein, es geht nicht um die Norwegische Pop-Band - das sind die Insignien unserer Zeit!
Abstand - Hygiene - Atemschutz!

Die Corona-Epidemie hat so ihre Tücken, was wohl inzwischen jeder mitbekommen hat. Vor allem, wenn es um Zusammenkünfte und Ähnliches geht. Und so konnte es ein interessanter Vortrag nur unter eingeschränkten Bedingungen ins Programm schaffen.
Der Veranstaltungsort hatte natürlich ein Hygienekonzept und all die feinen Ingredienzien, die so ein Abend braucht . Obwohl dieses außerordentlich interessante Thema eine breite Öffentlichkeit verdiente, war am 12.10.2020 die Veranstaltung nur vereinsintern und vor kleinem Publikum; sozusagen ein Vortrag vor "geladenen Gästen".

Dass sich die Nordhäuser Ornithologen nicht nur mit der Vogelwelt beschäftigen, ist für viele inzwischen bekannt. Aber dass ein Ornithologe einen Vortrag über Biber hält, ist doch etwas bemerkenswert. Der häufige Aufenthalt in der Natur bringt es mit sich, viele neue Eindrücke mitzunehmen. Und so wurden beim Abgehen von Bächen und Gewässern erste Fraßspuren entdeckt. Es sind immer die deutlichsten Zeichen des "arbeitenden" Nagers, denn zu sehen bekommt man ihn tagsüber meist nicht. Die eigentlichen Biberburgen entdeckt man erst bei intensiver Nachsuche.

Peter Höhns ist einer dieser Naturfreunde, die oft große Strecken abwandern und dadurch das Vorkommen des sehr heimlichen Bibers in unserem Landkreis entdeckte. Von Neugier und Entdeckerfreude angetrieben, beschäftigte er sich intensiver mit dieser Tierart. Diese innere Begeisterung ließ ihn nicht mehr los. Viele Beobachtungsgänge und der Einsatz von Wildkameras waren die Folge. So kann er heute diese Beobachtungen und sein Wissen im Vortrag vermitteln.

Einleitend gab es umfassende Informationen über Vorkommen, Lebensweise aber auch zum Verschwinden der Art in Deutschland. Vor etwa 400 Jahren galt der Biber in unserer Region als ausgestorben. Die Gründe sind vielfältig: Pelznutzung, medizinische Wirkstoffe sowie die Fleischnutzung machten ihn zu einer begehrten Jagdbeute. Besonders die Geistlichkeit legte in der Fastenzeit die Regeln, was ein Fisch sei, recht großzügig aus, um Fleischverbote zu umgehen. Sehr bald machten auch die Einschränkungen des Lebensraumes dem Biber zu schaffen.

2007 tauchte der Biber erstmals wieder in unserem Gebiet auf. Die Erstbeobachtung der Art stammten vom Windehäuser See, einem Teil der Bielener Kiesseen. Wir verdanken sie dem bereits verstorbenen Vereinsmitglied Richard Krause aus Bielen. Von ihm hat Peter Höhns sozusagen den "Staffelstab" übernommen.
Fraßspuren, gefällte Bäume und so genannte Biberrutschen (ständige Laufstrecken im Uferschlamm) weisen auf ein Vorkommen hin. Deutlich konnten "Einwanderungsstrategien" aufgezeigt und dargestellt werden, wie der Biber von der Elbe über Saale, Unstrut und deren Zuflüsse (immer flussauf) in die neuen/alten Siedlungsgebiete bis zu uns zurückwanderte. Sehr anschaulich wurden aktuelles Vorkommen und die Ansiedlung erläutert. Da die Biber nachtaktive Tiere sind, bleiben Beobachtungen am Tag die Ausnahme. Infrarot gesteuerte Wildkameras helfen, die Nachweise ins Bild zu bekommen und vorsichtige Schätzungen des Bestandes zu wagen. Sehr beeindruckende Bilder aus diesen Dokumentationen wurden uns gezeigt. In einem breiten Abschnitt ging Peter Höhns auf die aktuellen Zahlen für Thüringen und unsere Region ein. Die dort genannten Zahlen überraschten alle Zuhörer sehr.

Im Bereich der Wipper ist der Biber bereits bis Wülfingerode vorgestoßen, um Bleicherode gibt es zwei Biberfamilien in Erdbauen, die regelmäßig Nachwuchs aufziehen. An der Helme und Zorge gibt es inzwischen mindestens sechs Familien. Fraßspuren an der Helme gehen schon bis in das Stadtgebiet von Nordhausen und an der Zorge reichen sie eindeutig bis in den Raum Bielen. "Neben den Erdbauen gibt es auch vier recht stattliche Knüppelburgen" erklärt Peter Höhns den Zuhörern..

So dürfen 30-35 Tiere für den Landkreis Nordhausen als gesichert gelten. Eine Zahl, die von Beobachtungsfleiß und Beharrlichkeit bei der Datenerfassung kündet. Auf das Ergebnis kann der Referent durchaus stolz sein, denn es ist auch durch seine Tätigkeit zusammengetragen worden. Für das Land Thüringen wird von 400 Tieren ausgegangen, eine Zahl, die wohl nicht mehr aktuell sein dürfte. "Belege durch Wildkameras und viele Beobachtungen ergeben vor Ort ein anderes Bild", meint Peter Höhns. "Die Ausbreitungsdynamik der Biber in Thüringen wird diese Zahlen bald vergessen lassen, auch wenn verbaute Ufer gewisse Grenzen setzen" war seine Auffassung.

So müssen wir an dieser Stelle Peter Höhns herzlich dafür danken, dass er auch unter Corona-Bedingungen diesen außerordentlich interessanten und informativen Vortrag gehalten hat. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte ihm unbedingt eine breitere Öffentlichkeit eingeräumt werden.









rot - Biberburg/-bau, gelb - eindeutige Fraßspuren

Fotos 2 und 3: M. Schmeltzer
alle anderen Fotos: P. Höhns

UWE PATZIG
stellvertretender Vereinsvorsitzender


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