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Verein Nordhäuser Ornithologen e. V.

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      Wasseramseln im Landkreis Nordhausen


Einige erstaunliche Besonderheiten
der Wasseramsel
(Abb.: 01):

- Sie ist der einzige Singvogel,
   der ein echter Wasservogel ist!

- Sie hat kurze Flügel, um gut schwimmen
   und tauchen zu können.

- Ihre Augen sind flach, wodurch sie über
   und unter Wasser sehen kann.

- Als einzige Singvogelart sucht sie
   in Fließgewässern nach Insekten.
   Dabei nutzt sie die Strömung aus
   und läst sich auf dem Wassergrund drücken,
   um dort und unter den Steinen nach Insektenlarven zu suchen.

- Sie taucht bis zu 30 Sekunden
   (in der Regel wenige Sekunden),
   insgesamt ca. 2 Stunden am Tag.
   Die Tauchtiefe beträgt bis 1,5 m.

- Sie besitzt ein besonders dichtes Federkleid,
   das sie vor Kälte und durch
   Einfetten vor Nässe schützt.

- Auch bei strengster Kälte (- 40°C)
   taucht sie noch in offenen Fließgewässern
   nach Nahrung (Abb.: 02).

- Sie besetzt bei offenem Wasser
   ganzjährig lebenslang ihr Brutrevier.

- Wenn die Jungen größer sind, dauert die Fütterung weniger als 1 Sekunde (Abb.: 03).



Der Landkreis Nordhausen bietet auf großen Teilen seiner Fläche günstige Lebensräume für Wasseramseln.

Besonders geeignet für Wasseramseln sind die Fließgewässer im Norden des Landkreises ("Mittelgebirge Thüringer Harz"), dem Harzvorland (Zechsteingürtel) sowie entlang der Wipper und Bode. Die Wasserqualität spielt dabei eine wichtige Rolle.

In der Vergangenheit waren besonders die Wipper und Bode durch die Kaliindustrie stark versalzen und damit ungeeignet. Auch gab es in den übrigen Fließgewässern starke Verschmutzungen, weil die Abwässer der Bewohner und Betriebe nicht oder ungenügend geklärt wurden.

Dies hat sich in den 1990er Jahren infolge des Wegbrechens der Kaliindustrie und durch den verstärkten Bau von Kläranlagen geändert, d.h. die Wasserqualität in den Fließgewässern des Landkreis Nordhausen ist heute als überwiegend gut einzuschätzen.




Ein weiteres Problem zur flächendeckenden Verbreitung der Wasseramseln ist das Vorhanden sein geeigneter Nistplätze. In der Regel nisten Wasseramseln unter oder im Bereich von Brücken.
In früheren Zeiten waren die Brücken teilweise alt und baufällig. Sie besaßen Nischen durch herausgefallene Steine, worin die Wasseramseln ihre Nester bauen konnten (Abb.: 04 und 05).

Im Laufe der Zeit wurden viele Brücken saniert oder neu gebaut. Leider gingen damit regelmäßig die Brutplätze für Wasseramseln verloren.

Der Verein Nordhäuser Ornithologen e.V. hat sich diesem Problem verstärkt angenommen. Es wurde beschlossen, Nisthilfen für Wasseramseln an geeigneten Stellen unter die erneuerten Brücken zu bauen.

Üblich war es bisher, in die erneuerten Brücken Dübellöcher zu bohren und die Nistkästen daran zu befestigen. Dies erforderte einen erheblichen Arbeitsaufwand. Außerdem waren die Brückeneigentümer von dem Löcherbohren nicht begeistert.

Ich entwickelte eine Alternativlösung in der Form, dass die Nistkästen unter den Brücken angeklebt werden, damit die erneuerten Bauwerke nicht mehr angebohrt werden müssen.

Die Nistkästen sind 33 bis 35 cm lang, 24 bis 26 cm breit und 23 bis 25 cm hoch.
Länge und Breite hängen von den in diesem Maßbereich zur Verfügung stehenden Fliesen ab.

Zum Ankleben unter der Brücke wird auf den Nistkasten eine Fliese mit der Klebefläche nach oben aufgeschraubt. Auf die Fliese wird Flexkleber aufgetragen und mit einer Zahnspachtel gleichmäßig verteilt. Der Flexkleber muss mit soviel Wasser angerührt werden, dass er plastisch-zähflüssig bleibt (nicht zuviel Wasser zugeben und Verarbeitungsvorschrift des Flexklebers beachten!).
Der fertige Nistkasten wird dann kräftig gegen die Unterseite der Brücke gedrückt und dabei etwas hin und her bewegt. Er kann nach etwa 10 Sekunden losgelassen werden und bleibt dann an der Brücke haften.

Bei hohen Brücken nutze ich ein Vierkantholz mit oben 2 eingelassenen Stiften und 2 Löchern in der Nistkastenunterseite, um den Nistkasten an der Brücke zu befestigen.

Die Öffnung des Nistkastens zeigt immer in Fließrichtung des Gewässers.



Seit über 10 Jahren hängen jetzt angeklebte Wasseramsel-Nistkästen unter Brücken, ohne dass sie wieder abgefallen sind. Mittlerweile sind etwa 60 Nistkästen auf diese Weise angebracht worden.



Die Nistplatzabstände liegen im Landkreis Nordhausen durchschnittlich bei 1,3 km (Abb.: 07). Liegt der Abstand unter 0,5 km, wird einer der beiden Nistkästen nicht besetzt oder zur Zweitbrut genutzt.

Wenn die Nistkästen nicht von Wasseramseln besetzt werden, brüten dort regelmäßig Gebirgsstelzen, Bachstelzen und Zaunkönige.

Die Verbesserung der Wasserqualität und dass verstärkte Anbringen von Nistkästen hat sich positiv auf den Bestand von Wasseramsel-Brutpaaren ausgewirkt.


Brutplatzentwicklung der Wasseramsel im Landkreis Nordhausen (Abb.: 08 und Abb.: 09):

    - 1994     38 regelmäßig besetzte Brutplätze

    - 2009     63 regelmäßig besetzte Brutplätze









Aus Tabelle Abb.: 10 ist zu ersehen, wie viel Eier und Jungvögel durchschnittlich bei den Brutplatzkontrollen vorgefunden wurden.



Das Brutgeschehen und das Umfeld der Wasseramseln zeigen die Abb.: 11  bis  Abb.: 16.







Wichtig ist, dass die Nistkästen nach der Brutsaison gereinigt werden, damit sich darin keine Parasiten halten können!



HERBERT BUCHHOLZ


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