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Verein Nordhäuser Ornithologen e. V.

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Das Beringungsjahr 2018

Nach einer Unterbrechung von drei Jahren kann ich nun wieder einen Bericht zur Beringung im letzten Jahr vorlegen. Die Gründe für die Unterbrechung waren vielgestaltig, sind aber jetzt dank einer längeren Rehabilitationsphase und dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben überwunden. So wurde im vergangenen Jahr 2018 die Beringung wieder mit viel Elan und neuen Ideen aufgenommen, um die langjährigen Vorhaben bei Rauhfußkauz, Dohlen und Kleinvogelfang fortzuführen. Auch wenn aus nicht beeinflussbaren Gründen der eine oder andere Wunsch nicht in Erfüllung ging, so war es dennoch ein sehr interessantes Jahr mit vielen neuen Erfahrungen.


Bild 1: Raufußkauz-Weibchen RA02888 nach der Beringung am 24.04.18 (Foto: P.Höhns)

Rauhfußkauz: Sturmtief „Friederike“ hatte am 18.01.2018 auch in einigen Brutrevieren im Südharz deutliche Spuren hinterlassen. Glücklicherweise waren keine Nistkästen betroffen, jedoch mussten einzelne nach der Brutperiode umgehängt werden.
Offenbar war die Nahrungssituation in den Wäldern sehr schlecht, da kaum singende Männchen zu hören waren. So kam es lediglich zu einem Brut-versuch nördl. des Dammbachtals bei Rothesütte. Hier konnte am 24.04.18 das Brutweibchen beringt werden, das allerdings mit einem Gewicht von 137 Gramm in einer sehr schlechten Kondition war (Bild 1).
Dabei war der Vogel ungewöhnlich aggressiv und brachte mir blutige Finger ein. Zu diesem Zeitpunkt lag neben 3 Eiern nur eine Waldspitzmaus im Nistkasten; ein deutlicher Hinweis darauf, dass es an Rötelmäusen und vor allem Apodemus-Arten fehlte. Bei einer Nachkontrolle am 10.05.18 war der Nistkasten leer und das Gelege verlassen. Weitere Bruten oder sonstige Nachweise gelangen in diesem Jahr nicht. Eine analoge Situation wurde auch im Westharz festgestellt, wo in allen Revieren keine einzige Brut gefunden wurde (Dr. O. Schwerdtfeger, pers. Mitteilung).

Dohle: Nachdem 2016 die Brutkolonie mit 14 Nistkästen im Anhydritwerk Niedersachswerfen durch den Abriss des Gebäudes verloren ging, wurden die Kästen ca. 400 m entfernt an einem anderen alten Gebäude angebracht. Der Standort ist nicht so ideal wie der vorherige, so dass im letzten Jahr nur ein Teil der Kästen besetzt war. In Niedersachswerfen wurden 13 Bruten begonnen (2x Schule, 2x Kirche, 6x Anhydritwerk, 3x Bauhof), von denen 12 erfolgreich verliefen. Hinzu kam eine erfolgreiche Brut an einem Sendemast nördlich des Ortes sowie 7 Bruten in Harzungen.
Die Zahl flügger Jungvögel lag in der üblichen Größenordnung, was auf den erfolgreichen Verlauf der meisten Bruten zurückgeführt werden kann. Ob die seit Ende April anhaltende trockene Witterung dafür die Ursache war, ist ungewiss. So konnten in der Zeit vom 20.05. bis 28.05.18 die Jungen von 20 Bruten (2x Schule, 5x Anhydritwerk, 2x Kirche, 3x Bauhof, 1x Sendemast und 7x Harzungen), insgesamt 64 Jungdohlen (1x1, 5x2, 6x3, 5x4, 3x5) beringt werden. Mit einem Durchschnitt von 3,2 juv./erfolgreiche Brut bzw. 3,05 juv./begonnene Brut war der Bruterfolg ähnlich hoch wie in den letzten Jahren, was eine Spitzenposition in Thüringen darstellt. Besonders positiv war dabei das Verhältnis zu den begonnenen Bruten, da es kaum Brutausfälle gab.


Bild 2: Junge Schleiereule nach der Beringung in der Kirche von Klein-Werther am 03.07.18 (Foto: P.Höhns)

Schleiereule: Das Jahr 2018 war kein gutes Jahr für Mäusejäger. Soweit von verschiedenen Ornithologen aus der Region eingeschätzt, wurden beispielsweise Turmfalkenbruten mit geringer Gelegegröße – wenn überhaupt – erst recht spät begonnen und Bruten der Schleiereule stellten Ausnahmen dar. Umso erfreulicher war es, dass wie bereits im Vorjahr ein Schleiereulenpaar in der Kirche von Klein-Werther eine erfolgreiche Brut aufziehen konnte. Das gesamte Brutgeschehen - von der ersten Eiablage bis zum Flügge-werden der Jungvögel - wurde von Peter Höhns mittels entsprechender technischer Ausrüstung dokumentiert. Demzufolge wurde das 1. Ei (von insgesamt 7) am 21.04. gelegt, der erste Nestling schlüpfte am 22.05. und der letzte Jungvogel flog am 14.08. aus; ein Zeitraum von 114 Tagen (fast 4 Monate). Bei dieser erfolgreichen Brut wurden von sieben geschlüpften Jungeulen sechs flügge.

Eisvogel und Wasseramsel an der Zorge: Vor einigen Jahren hatte ich schon mal an der Zorge Eisvögel gefangen, damals jedoch nur an einem Vormittag mit dürftigem Ergebnis. Da der traditionelle Brutplatz auch in diesem Jahr wieder besetzt war und insgesamt 3 Bruten erfolgreich verliefen, wurde versucht an drei Vormittagen ab Anfang Juli die flüggen Jungvögel und eventuell auch Wasseramseln zu fangen.

Bild 3: Eisvogel-Weibchen (diesjährig) im Fangnetz an der Zorge bei Niedersachswerfen am 01.07.18 (Foto: M.Wagner)

An den Fangtagen (jeweils 7:00 bis ca. 11:00 Uhr) konnten 4 Eisvögel und 4 Wasseramseln mit einem 16 mm-Netz gefangen werden. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere am 16.08.18 weitaus mehr Eisvögel an der Zorge unterwegs waren, als dann gefangen werden konnten. Oftmals prallten die Vögel (auch Wasseramseln) an dem feinmaschigen Netz ab. Daraufhin habe ich mich entschlossen, ein neues 19mm-Netz zu bestellen und hoffe, dass damit die beiden Arten besser gefangen werden können.

Kleinvogelfang an der Wipper: Die Einrichtung eines neuen Netzfangplatzes bedeutet zunächst erstmal viel Aufwand! Ob sich dieser gelohnt hat, weiß man erst nach der Fangsaison.

Nach dem ersten Jahr kann hierbei eingeschätzt werden, dass es noch viel Luft nach oben gibt. Das heißt, einige Erwartungen wurden nicht erfüllt, aber das kann im nächsten Jahr schon ganz anders sein.

Bild 4: Singdrossel (vorjährig) am 02.05.18 als möglicher Brutvogel am Schilfgebiet an der Wipper gefangen (Foto: P.Höhns)

Bei der Frühjahrsaktion (29.04.-02.05.18) gab es die von den Steinbrücker Teichen gewohnten Schilfbewohner (Rohrsänger und Rohrammer) fast gar nicht. Im Gegensatz dazu begann der Fang mit dem Netz über der Wipper recht vielversprechend. Bereits am ersten Tag konnten Eisvogel und Wasseramseln (meine ersten!!) gefangen werden. Das Netz nahmen wir am zweiten Tag wieder weg, da die beiden Wasseramseln mit schöner Regelmäßigkeit ins Netz flogen. Damit konnte aber ein neuer Standort geschaffen werden, der sich im späteren Verlauf und während der Spätsommeraktion als recht attraktiv herausstellte: im Weißdorn-/Hagebuttengebüsch am Schilfrand.
Obwohl zur Fangaktion eine stabile Wetterlage vorhergesagt war, mussten wir am 01.05. vormittags abbrechen, da ein ungewöhnlich starker, stürmischer und vor allem kalter Ostwind den Fang unmöglich machte. Am 02.05. waren zum Sonnenaufgang die Netze bei - 2°C sogar gefroren!
Als kleine Rarität wurden wir mit dem Fang von drei Feldschwirlen im Schilf an einem Tag belohnt, eine Art die thüringenweit recht selten beringt wird (Bild 5). Bei einem Kontrollgang am 05.06.18 konnte ein warnender Feldschwirl beobachtet werden, der einen Ring trug. Möglicherweise hatte ich diesen Vogel einige Wochen zuvor in der Hand gehabt??

Bild 5: Typische Schwanzform beim Feldschwirl, der am 29.04.18 gefangen werden konnte (Foto: P.Höhns)

Die Spätsommeraktion (24.08.-30.08.18) konnte bei angenehmen Wetterbedingungen stattfinden, nur der letzte Tag war verregnet. Gleich zu Beginn konnten wir einen diesjährigen Eisvogel fangen, der am gleichen Tag und am nächsten Morgen nochmals gefangen wurde. Dies war allerdings der einzige Eisvogel (von insg. 8 gefangenen), der mehrfach ins Netz ging. Die restlichen Eisvögel (alle diesjährig) wurden jeweils nur einmal gefangen, ein Beweis, dass in dieser Zeit die Jungvögel permanent neue Nahrungsquellen aufsuchen. Demzufolge dürfte 2018 auch ein gutes Reproduktionsjahr beim Eisvogel in der Region gewesen sein.

Besonderes Augenmerk während der Spätsommeraktion wurde auf den Fang von Sumpfrohrsängern und den Vergleich zum Teichrohrsänger gelegt, da beide Arten in den Schilfgebieten dominant auftraten. Um die notwendige Sicherheit beim Bestimmen beider sehr ähnlichen Arten zu bekommen, konsultierte ich einige Tage zuvor Horst Lehmer, einen über Jahrzehnte erfahrenen Beringer an der Numburg.
Diese praktische Unterweisung war für mich sehr lehrreich. So wurden im Spätsommer 11 Sumpf- und 5 Teichrohrsänger beringt. Die Zahl der Schilfbewohner war sehr begrenzt. Bei den Rohrammern wurde nur ein Weibchen aus dem Frühjahr gefangen. Leider waren die erwarteten Schilfrohrsänger und Blaukehlchen in der Artenliste nicht vertreten.
Demgegenüber war die Fangquote am Netzstandort im Weißdorngebüsch recht gut. Vor allem Mönchsgrasmücken und überraschender weise viele Heckenbraunellen konnten gefangen werden.

Bild 6: Die Wasseramsel (diesjährig) besiedelt die natürlichen Abschnitte der Wipper, 26.08.18 (Foto: P.Höhns)

Das Netz über der Wipper brachte eine Reihe unvorhersehbarer Momente. So flog am 28.08. ein kleiner Trupp Stockenten in die Maschen, der einige Blessuren am Netz einbrachte.
Eine große Überraschung wartete am Morgen des letzten Fangtages auf uns. Erstmals war eine Fledermaus in das zusammengeschobene Netz geflogen. Es handelte sich dabei um eine Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) (Bild 7) mit einem Gewicht von 4 Gramm.

Auch wenn die Anzahl gefangener Vögel an den neuen Netzstandorten deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, gab es während der Frühjahrs- und Spätsommeraktion eine Reihe überraschender Erlebnisse und Beobachtungen, die in Erinnerung bleiben.
Als nüchternes Ergebnis des Beringungsjahres bleibt festzuhalten: Es wurden 199 Vögel in 21 Arten beringt. Die Zahl liegt unter den Erwartungen bezüglich des Kleinvogelfangs, jedoch kann auch eingeschätzt werden, dass hierbei im ersten Jahr noch nicht alle optimalen Netzstandorte gefunden wurden. Hinzu kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Auswirkungen der monatelang anhaltenden Trockenheit, so dass viele Schilfbereiche nicht mehr im Wasser standen, völlig trocken waren und deutlich weniger Insekten, Spinnen u.ä. beherbergten als sonst.

Bild 7: Zwergfledermaus, gefangen am 30.08.18 (Foto: P.Höhns)

Schließlich möchte ich mich bei allen bedanken, die mir bei der Vorbereitung und Umsetzung der Beringungsaktionen geholfen haben. 2018 waren das ganz besonders Peter Höhns, auch für viele schöne Bilder, Julius Clauß und mein Schatz Petra, die mir an vielen Tagen tatkräftig zur Seite standen.


MANFRED WAGNER

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